Dort thront sie, die selbsternannte Königin der Nacht, auf einer buttergelben Mondsichel. Ihre Brust bebt vor lauter ungesungenen Melodien, doch wehe! Eine Welt der nächtlichen Skurrilitäten erhebt Einspruch.
Ein lila Lampion, offenbar in schlechter Stimmung und mit einer fragwürdigen Zahnpflege, fletscht seine messerscharfen Haifischzähne. Er schaukelt im Wind, als wolle er sagen: „Sing nur, wenn du dich traust, aber beschwer’ dich nicht, wenn ich mitkaue.“
Daneben erhebt sich das Waschbärwesen, halb Räuber, halb Mythos, ein bisschen zu stolz auf seine krallenbewährte Faust. Es droht damit wie ein Türsteher eines sehr exklusiven Nachtclubs: „Nicht auf der Gästeliste? Dann auch nicht im Klangraum.“
Im Hintergrund erhebt sich die Voliere, ein turmartiger Käfig, der nur darauf wartet, seine Gitterstäbe um die widerspenstige Nachtigall zu schließen. Sie knarzt im Wind wie ein alte Gouvernante, die mit Strenge und Vogelfutter regiert.
Zwischen all dem Treiben seltsame blaue Fische vorbei, in der Luft! Ihre großen Augen glotzen die Nachtigall an, als hätten sie vergessen, dass sie eigentlich schwimmen statt starren sollten. Vielleicht warten sie auf die nächste Note, vielleicht auf den nächsten Fauxpas.
Und dann der Baum, ach, der Baum! Ein elegantes Wesen, voller Stolz und formvollendet wie ein geometrischer Divenstar. Mit seinen spitzen Dreiecken als Blätter weigert er sich, auch nur einen Ast für sie zu senken. „Kein Geäst heute, meine Liebe. Deine Anwesenheit stört meine Symmetrie.“
So bleibt der Gesang verstummt. Kein Triller, kein Tremolo, kein nächtlicher Zauber. Nur das leise Seufzen einer Nachtigall, die weiß, dass selbst Königinnen manchmal von einem absurden Hofstaat zum Schweigen gebracht werden.
Arme Nachtigall.
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- Dienstag, 25. November 2025
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