Auf einer Bühne, kantig und hell,
stehen zwei Frauen, hoch wie Türme,
ihre Hexenfinger wie spitzen Gedanken,
die Haltung hölzern steif.
Die erste umrahmt mit Schwarz ihr Gesicht
ein Kragen aus Dornen,
ein Hut, der die Schatten lenkt.
Trostlos der Blick, gerichtet auf die Weite der Welt.
Die Haut der Zweiten: nixengleich,
eine Farbe zwischen Alge und Staub.
Ihr Turban windet sich wie eine Frage,
der Schal hält die Antwort gefangen.
In der Mitte sitzt ein Flötenspieler,
sein Gesicht ist ein Gerücht,
die Töne kommen aus einem Ort,
den keiner sehen darf.
Davor tanzt eine Ballerina,
die Arme verdreht wie verirrte Äste,
ihr Gesicht ein blasses Etwas,
eine schwache Ahnung, nicht einmal Erinnerung.
Das Bühnenbild ist ein Streit der Formen,
grell die Farben, Flächen ohne Richtung,
abgestimmt auf die großen Frauen,
geometrisch klar, künstlich und kalt.
Vier Menschen so nah,
doch kein Miteinander.
Jeder umkreist sich selbst
wie ein fremder Mond.
Blicke prallen ab,
sie tropfen zu Boden,
glitzern kurz,
und sind dann weg.
Allein.
- Veröffentlicht am
- Mittwoch, 12. November 2025
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