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Mittagsruhe im Dorf 2011

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Mitternachtsruhe liegt
wie ein vergessener Mantel über dem Dorf.
Zarter Mondschein tastet sich über den Boden, 
als suche er etwas, das er selbst verloren hat.
Der Weg zum Dorf ist verlassen, 
eine stille Narbe im nächtlichen Feld.
Die Häuser ducken sich um die Kirche.
Ihre Fenster bleiben dunkel.
Das Mondlicht streicht darüber
wie ein müder Beobachter,
schimmert, stockt, verschwindet wieder.
Hinter allem breitet sich
eine riesige, dunkle Fläche aus,
ein See oder nur der Gedanke an einen See,
der das Licht verschluckt
und jeden Funken in seinem Grund erstickt.
Ein Zaun trennt diese Welt vom Dorf,
macht klar, was zum Dorf gehört,
und was nicht.
Nur ein Haus widersetzt sich
der nächtlichen Ordnung.
Sein Licht scheint leise, unentschlossen,
als wisse es nicht, für wen es brennen soll.
Vielleicht feiert eine Familie dort ein Fest,
hält an einem längst vergangenen Tag fest.
Vielleicht ringen Freunde um ein Wort,
das nicht fallen darf.
Vielleicht schreibt ein Pfarrer eine Predigt,
die er im Dunkeln besser versteht
als im Morgenlicht.
Vielleicht trägt eine Mutter
ein Kleinkind durch die Zimmer,
und beide wissen nicht,
wer von ihnen den Schlaf verloren hat.
So steht das Dorf, stumm, eingeschlossen,
und das eine Haus spricht
mit einem einzigen, trotzig hellen Auge
gegen die große, sanfte Nacht.

Veröffentlicht am
Mittwoch, 12. November 2025
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