In meinem Traum stolperte ich in ein nächtliches Orchester, das niemand eingeladen hatte.
Mitten darin saß eine missgelaunte Katze, deren Augen sich nicht entscheiden konnten, ob sie rund geschwollen oder kantig klimpernd sein wollten. Aus ihren Schnurrhaaren wuchsen einsame Notenlinien, die sich im Takt des unsichtbaren Windes wiegten. Ihr Schwanz kringelte sich wie ein übermütiger Notenschlüssel, der jeden Moment davonhüpfen wollte.
Aus dem Körper der Katze spross ein Instrumentenhals, der sich geheimnisvoll in eine Laute und gleichzeitig in eine Geige verzweigte, als hätte er vergessen, wozu er eigentlich bestimmt war. Daneben schwebte ein elektrisches Klavier, das wie von Geisterhand eine Melodie spielte, die ich im selben Augenblick hörte und vergaß.
Eine mächtige Tuba glotzte mich an, ihr schwarzes Loch so tief, dass ich fürchtete, hineinzufallen und in einer anderen Welt wieder aufzuwachen.
Ganz in der Nähe stand eine Harfe, die längst all ihre Saiten verloren hatte, aber trotzdem leise vibrierte, als würde sie sich an ihren eigenen Klang erinnern.
Und weiter hinten erschien mir die Andeutung eines Xylophons, kaum mehr als ein Schimmer von Klang, bedient von zwei überdimensionalen Klöppeln. Sie waren über etwas Unsichtbares mit einem seltsamen Gefäß verbunden, aus dem eine dünne Säule ragte, spärlich bemalt mit zerfledderten Notenzeilen, viel zu sparsam für eine anständige Melodie.
Als ich mich näherte, verstummte alles gleichzeitig, und ich wachte auf, mit dem Echo von Musik in den Ohren aber ohne eine einzige Melodie erinnern zu können, so schrecklich war sie, die Katzenmusik.
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- Mittwoch, 12. November 2025
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